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Was 1991 als experimentelles Death-Metal-Quartett begann, mündete schon vier Jahre später in klassische Bahnen, indem man eine Violinistin, eine Cellistin, eine Sopranistin und einen Pianisten fest in die Band integrierte. Mit Hilfe dieser neuen Instrumentierung war es Asis Nasseri, dem geistigen Gründungsvater und Inspirationsquell von Haggard, möglich seine Ideen und Träume noch greifbarer umzusetzen, was dahin führte, dass man bei der Veröffentlichung des Debüt-Albums "And Thou Shalt Trust ... The Seer" 1997 bereits auf ein Orchester von 16 Musikern angewachsen war. Trotz der Bandbreite entfernte man sich niemals von den Wurzeln des Death Metals, sondern verwob beide Stile gekonnt zu einem schöpferischen Mosaik orchestralen Metals.
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Den musikalischen Spielraum, den ein Orchester in Verbindung mit harten Gitarreneinsätzen und hämmerndem Schlagzeug bietet, wusste Haggard schon von Beginn an eindrucksvoll zu nutzen, was sich in eingängigen aber dennoch komplexen Kompositionen niederschlägt - zahlreiche Breaks reißen den Hörer in ein einzigartiges Klangerlebnis hinein.
Gesanglich setzt man ebenfalls auf ein antagonistisches Wechselspiel aus Asis Nasseris düsteren Grunts und den filigranen klassischen Stimmen der Sopranistinnen, um nicht nur eine gänsehautschaffende Atmosphäre zu erwecken, sondern gleichsam auf glaubwürdige und überzeugende Weise eine mitreißende Story zu erzählen. Schon bei ihrem Erstling orientierten sich Haggard an der Geschichte, was sie mit ihrem zweiten Erfolgsalbum "Awaking The Centuries" ein weiteres Mal unterstrichen. Ausgereifter und mit einer hervorragenden Produktion, ließ man den französischen Astrologen Michel de Notredame - besser bekannt als Nostradamus - aus seinen düsteren Prophezeiungen auferstehen und hauchte seinen lyrischen Visionen einen mystischen, auditiven Funken ein, dessen Energie sogar bis in die Neue Welt reichte; zwei große Tourneen führten das Ensemble bis nach Mexiko, wo man die sagenhafte Stimmung von Haggard in Bild und Ton auf der DVD "Awaking The Gods" festhielt.
Mit "Eppur Si Muove" (ital. "und sie [die Erde] bewegt sich doch") von 2004 nahm sich die mittlerweile auf 20 Damen und Herren angewachsene Band der historischen Figur Galileo Galileis an und lud zu einer dritten Reise in die Vergangenheit unserer Erde ein. Im 16. Jahrhundert stellte sich der italienische Philosoph und Mathematiker Galileo gegen das kirchliche, geozentrische Weltbild und behauptete, dass sich die Erde um die Sonne, nicht die Sonne um die Erde drehe. Wie jeder, der sich gegen die göttliche Wahrheit stellte, wurde auch er von der Kirche dafür verurteilt.
Mit "Tales Of Ithiria" (2008) erzählten Haggard ihre ganz eigene Sage des immerwährenden Kampfes des Bösen gegen das Gute, angesiedelt in der fantastischen Welt "Ithiria". Damit verließen die Klassik-Metaller das erste Mal seit ihren ersten musikalischen Gehversuchen anno 1991 die Pfade unserer Historie und wendeten sich dem Reich der Fantasie zu. Eine Umorientierung und Gewinnung von künstlerischem Neuland, die so verwunderlich nicht ist, denn alle großen Autoren des Fantasygenres sind der Geschichte entsprungen, fanden ihre Inspirationen in der realen Vergangenheit des Menschengeschlechtes. Für Asis Nasseri ist diese Reise ins Fiktive eine Erweiterung des eigenen Horizontes, als auch ein Raum für neue Möglichkeiten. Asis' erdige Grunts vermengen sich ein weiteres Mal mit weiblichen und männlichen klassischen Gesangsstimmen, getragen von einem majestätischen Orchester und einer traditionellen Rock-Instrumentierung aus sattem Schlagzeug, brummendem Bass und treibender E-Gitarre.
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